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Leseprobe: "Erste Hilfe für die Seele"

Psychotherapie Supervision Coaching Autorin
„Ein aktueller Beziehungskonflikt ist oft
das Ergebnis einer langen Kette gegenseitiger Kränkungen, die sich beispielsweise im Laufe einer Partnerschaft oder Ehe angesammelt haben und mit Trennung oder Scheidung enden. Oft liegt die zentrale Kränkung schon lange zurück: er hat nie ausdrücklich um ihre Hand angehalten; sie wollte nie Kinder mit ihm; er ging fremd; sie fuhr allein in Urlaub, als er in einer beruflichen Krise war und vieles mehr.

Werden diese Kränkungen nicht angesprochen und die emotionalen Folgen nicht mitgeteilt, hinterlassen sie einen Bruch, der durch jede weitere Kränkung verstärkt wird. Droht die Trennung, kann es geschehen, dass einer von beiden unter einen so großen Druck gerät, dass er den
Partner/die Partnerin tätlich angreift oder sogar tötet. Nicht umsonst liegt die Tötungsrate von Ehepartnern, die sich trennen wollen, laut Daten des Kriminologischen Forschungsinstituts von 1999 bei ca. 250 Fällen im Jahr. Das sind 4-5 pro Woche, eine viel zu hohe Zahl finde ich.

Je länger ich mich mit dem Thema Kränkungen beschäftige, um so deutlicher wird mir deren weitreichende und häufig auch schicksalhafte Bedeutung für unser Leben. Ob gewollt oder ungewollt, ob bewusst oder unbewusst, wir kränken andere Menschen und werden immer wieder gekränkt. Die Kränkungsdynamik durchzieht alle Lebensbereiche: unser individuelles Befinden, unsere Freundschafts- und Liebesbeziehungen, unsere Berufssituation, gesellschaftliche Strukturen und ...
Fortsetzung