|
|
 |
„In der weiblich-narzisstischen Persönlichkeitsstruktur
kommt das grundlegende Dilemma von Frauen zum Ausdruck, sich zwischen
Abhängigkeit und Selbständigkeit zu bewegen. In ihrem Fall liegt die Lösung
des Konflikts im Leben der Extreme: entweder vollkommen abhängig und im anderen
bis zum Verlust der eigenen Identität aufgehen oder in totaler Distanz vom
anderen, autonom, aber allein sein. Dieses Entweder-Oder zieht sich durch fast
alle Lebensbereiche. Es zeigt sich auch in der Selbsteinschätzung der Frauen.
Entweder fühlen sie sich großartig, stark, selbstbewusst oder unsicher,
schwach, hilflos und minderwertig.
In der Regel sind diese Frauen attraktiv, sie legen viel Wert auf ihr Äußeres,
haben meist eine gute Figur, aber sie lehnen sich von Grund auf ab, finden sich
hässlich, dick, unattraktiv und vor allem nicht liebenswert! Sie sehnen sich
nach Nähe und Liebe, rennen aber davon, wenn sie
|
 |
wirklich jemand mag. Sie machen sich immer wieder einsam, obwohl sie gerade
unter dem Gefühl, allein zu sein, so leiden. Sie spielen die Rolle ‘Es
geht mir toll’, um Aufmerksamkeit und Zuwendung zu bekommen, aber fühlen
sich darunter elend und depressiv. Ihr Fühlen und Verhalten ist stark von
Gegensätzen geprägt. Es scheint, als tanzen sie einen Tanz um sich selbst,
immer im Kreis, aber sie kommen nie bei sich an. Sie sind sich selbst fremd,
sie leiden unter Selbstentfremdung. Tief innen wissen sie nicht, ob sie die
traurige, depressive Frau sind oder die, die euphorisch andere mit ihrer guten
Laune ansteckt. Auch von außen bekommen sie keine ausreichende Orientierung
für die Beantwortung der Frage, wer sie wirklich sind. Denn die Umwelt erlebt
sie problemlos, hilfsbereit, meist ‘gut drauf’, in sich gefestigt. So
fühlen sie sich aber nur in wenigen ‘Sternstunden’, wenn mal alles
stimmt, aber das ist ganz selten. Der Teufelskreis scheint geschlossen, es gibt
keinen Ausweg aus diesem Dilemma.“
|
 |